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Laufende Projekte

Museumsforschung

Museumspersonal

Aufseher - Vermittler - Animateure
- Zur Rolle des Servicepersonals bei der kulturellen Bildung im Museum -


Kurzinformationen

Titel:

Aufseher - Vermittler - Animateure. Zur Rolle des Servicepersonals bei der kulturellen Bildung im Museum.

Laufzeit:

Dezember 2016 - November 2019

Förderung:

bmbf logo2
Förderlinie Kulturelle Bildung

Projektteam:

Projektleitung: Prof. Dr. Nicole Burzan (mehr...)

Projektdurchführung: Dr. Jennifer Eickelmann (mehr...)

Studentische Mitarbeiterin: Isabelle Sarther   

Studentischer Mitarbeiter: Lukas Arp



Vorhaben

Im Projekt untersuchen wir, inwiefern das Servicepersonal als Mittler zwischen Museumskonzept und Publikum agiert.

Wir beginnen mit einer Fallstudie in einem Museum, in dem das Aufsichtspersonal bei personalbegleiteten Mitmachstationen eingesetzt wird, um hier das Zusammenspiel der Funktionen einer (z.T. restriktiven) Aufsicht bzw. Orientierungshilfe, der (niederschwelligen) Vermittlung und eben auch einer ‚Animation‘ zu beobachten. Einige andere Museen unterschiedlicher Genres dienen als Vergleichsfolie, um die Umsetzung von Personalkonzepten, insbesondere aber auch die Positionierungen des Servicepersonals selbst sowie konkrete Interaktionen und Settings zwischen Personal und Publikum im Rahmen der Organisation Museum zu eruieren.

Einen theoretisch-konzeptionellen Anknüpfungspunkt stellt dabei auch die Ungleichheitsforschung dar: Das Servicepersonal fungiert, so unsere Annahme, als Schnittstelle zwischen dem Museumskonzept und dem Publikum, die Distinktions- oder Inklusionsgelegenheiten verstärkt, wobei die Arbeit des Personals unweigerlich in institutionalisierte Macht- und Anerkennungsordnungen innerhalb der Organisation Museum eingebunden ist.

Methodisch folgen wir einem methodenpluralen Design: Im Mittelpunkt steht nach Leitfadeninterviews mit Museumsverantwortlichen und Personaldienstleistern das Servicepersonal, mit dem wir neben Interviews insbesondere eingehende informelle Gespräche führen und das wir in Situationen mit Publikumskontakt beobachten. Eine Besonderheit, die den Mangel an Interaktionsanalysen in diesem Bereich mindern soll, besteht in einer Projektphase mit videographischen Untersuchungen ausgewählter Situationen, in denen sich Servicepersonal und Publikum begegnen. Eine punktuelle Analyse der Publikumssicht (Gespräche, Kommentare zum Personal im Netz) rundet das Design ab.





Ankündigung: Abschlusstagung "Machtordnungen in Museen", in Kooperation mit der DASA


Am 15. November 2019 findet in der DASA die Abschlusstagung des Projekts mit Fokus auf "Machtordnungen in Museen. Hierarchisierungen im Spannungsfeld von Arbeit - Ungleichheit - Kultur" statt.

Die Abschlusstagung beschäftigt sich mit Fragen der Vermittlungsarbeit im Museum, und zwar ausgehend von einer ganz spezifischen Berufsposition, die bislang – sowohl in wissenschaftlichen als auch in öffentlichen Diskursen – als vernachlässigt gelten muss: dem Aufsichts- und Servicepersonal. Das Nachdenken über eben jene Position im Museum ist insbesondere deswegen für weiterführende Fragen im Kontext von Arbeit, Ungleichheit und Kultur gewinnbringend, da es sich um eine Art ‚kritische Zwischenzone‘ bzw. ‚Grauzone‘ handelt: Die Tätigkeit des Aufsichts- und Servicepersonal setzt nicht zwingend eine vermittlungsspezifische Professionalisierung voraus, andererseits erfüllt es eine zentrale Scharnierfunktion in der Organisation Museum, da es das Museumskonzept (d.h. auch räumliche Gestaltungen und kuratorische Konzepte sowie konkrete Ausstellungsobjekte) und die Besucherschaft miteinander in Bezug setzt, und zwar auf vielfältige Art und Weise. Mit einem Schwerpunkt auf die (Re-)Produktion sozialer Ungleichheit ist die Perspektive auf das Aufsichts- und Servicepersonal von besonderem Interesse, da sie im Kontext der Debatten um ‚niedrigschwellige Vermittlung‘ einen Einblick in konkrete Interaktionssituationen erlaubt, die jenseits professionsbedingter Hürden stattfinden (können) und entsprechend zuvorderst informell ablaufen. Beschäftigt man sich mit Berufspositionen in der Organisation Museum, so geraten zudem unweigerlich Fragen nach organisationsinternen Anerkennungsstrukturen in den Bick, die wiederum Aufschluss über machtvolle (De-)Legitimierungsprozesse geben.

In Anlehnung an diese und weitere Überlegungen soll die geplante Tagung dazu genutzt werden, Projektergebnisse vorzustellen, zu diskutieren und sie gleichermaßen in einen weiteren Kontext zu setzen, indem weitere thematische Perspektiven auf

-  Dienstleistungsarbeit und Anerkennungsordnungen in Arbeitssituationen (PD Dr. Stephan Voswinkel, IfS Frankfurt),

-  die Aus- und Neugestaltung distinktiver Praktiken (Dr. Oliver Berli, Universität zu Köln) und

-  die heterogene Praxis des Ausstellungsbesuchs (Prof. Dr. Nina Tessa Zahner, Kunstakademie Düsseldorf)

mit Bezug auf die Projektergebnisse miteinander ins Gespräch gebracht werden.  

Im Anschluss soll auf dieser Basis die wissenschaftliche mit der praktischen Perspektive von Museen ins Gespräch gebracht werden. Die Diskussion richtet sich zum einen auf methodische Fragen der Erfassung und Erforschung des Publikums, interaktionaler Settings sowie Anerkennungsordnungen in (kulturellen) Organisationen  sowie zum anderen auf das durchaus spannungsreiche Verhältnis von öffentlichem Anspruch (Öffnung und ‚Inklusion‘) auf der einen Seite und organisationaler Realität (monetäre Ressourcen, Hierarchien, Professionalisierungsprozesse) auf der anderen Seite.

Das Programm folgt.

Interessierte sind herzlich eingeladen, an der Tagung und den Diskussionen teilnzunehmen!
Anmeldung unter AnmeldungVA.DASA@baua.bund.de







Publikationen

  • Eickelmann, Jennifer; Burzan, Nicole (im Review-Verfahren): Auf der Suche nach sozialen Ungleichheiten im Museum: distinktive und distinkte Inszenierungen.

  • Burzan, Nicole (2018): „Das ist jetzt bestimmt mein achtzehntes Paar Schuhe.“ Zugehörigkeiten anzeigende Objekte von Museumspersonal an der Schnittstelle zwischen Organisation und Publikum. In: Poferl, Angelika/Pfadenhauer, Michaela (Hrsg.): Wissensrelationen. Beiträge und Debatten zum zweiten Sektionskongress der Wissenssoziologie. Weinheim/Basel: Beltz Juventa, S. 299-307.

  • Eickelmann, Jennifer (2018): “Schauen Sie sich doch mal die Vasen aus China an!” Das Aufsichtspersonal im Museum als ‚kritische Zone‘ zwischen ExpertInnen und Alltagswissen. In: Poferl, Angelika; Pfadenhauer, Michaela (Hrsg.): Wissensrelationen. Beiträge und Debatten zum zweiten Sektionskongress der Wissenssoziologie. Weinheim/Basel: Beltz Juventa, S. 342-352.

  • Burzan, Nicole (2017b): Menschen im Museum. Theoretische Perspektiven auf empirische Erkundungen". In: Sociologia Internationalis, Vol. 55 (1), S. 1-26.

  • Burzan, Nicole (2017a): Zum Wandel von Raum- und Zeitstrukturierungen am Beispiel von Museen. In: Zeitschrift für Theoretische Soziologie (ZTS), Sonderband 4: „Raum und Zeit. Soziologische Beobachtungen zur gesellschaftlichen Raumzeit“, hgg. von Anna Henkel, Henning Laux, Fabian Anicker, S. 171-187.


Vorträge

  • Ankündigung: Burzan, Nicole & Eickelmann, Jennifer: "Positionierungen von Museumsaufsichten. Zur Organisation und Praxis musealer Hegemonien“. Offene Jahrestagung der DGS-Sektion Kultursoziologie in Kassel, 30.September - 2. Oktober 2019.

  • Ankündigung: Eickelmann, Jennifer: "Museale Entanglements und ihre bildungspolitischen Versprechen. Ein diffraktiver Zugang", Workshop 'Leben mit Maschinen. Zum (Sinnlich-)Schöpferischen von Mensch-Maschine-Interaktionen', Kunstakademie Düsseldorf, 28. Juni 2019.

  • Ankündigung: Burzan, Nicole & Eickelmann, Jennifer: "Tackling Access Barriers? On the Significance of Museum Gurads/Attendants regarding the Museum's Inclusion Processes in Germany". 12th International Conference on the Inclusive Museum, Muntref, Museum of Immigration, Buenos Aires, 7.-9. November 2019.

  • Ankündigung: Eickelmann, Jennifer:  "Considering the Almost Invisible. Museum Guards or Attendants as Intermediators", International Symposium of the École du Louvre Research Seminar, Paris, 13. Juni 2019. Hier gehts zum École du Louvre

  • Burzan, Nicole & Eickelmann, Jennifer: "Aufseher - Vermittler - Animateure. Zur Rolle des Servicepersonals bei der kulturellen Bildung im Museum". Forschungskolloquium des Instituts für Soziologie, TU Dortmund, 4. Juni 2019.

  • Burzan, Nicole: "Hierarchische Polaritäten in der Organisation Museum: Formen, Deutungen, Rahmenbedingungen und Herausforderungen ihrer methodischen Erfassung", Frühjahrstagung der DGS Sektion Methoden der qualitativen Sozialforschung, TU Dresden, 27.-28. März 2019.

  • Burzan, Nicole & Eickelman, Jennifer: "Herausforderungen der empirischen Untersuchung distinktiver Praxis angesichts gesellschaftlicher Pluralisierungsprozesse“, Vortrag im Rahmen der Tagung ‚40 Jahre ‚Die feinen Unterschiede‘. Zur Aktualität von Pierre Bourdieus Gesellschaftstheorie in der kultursoziologischen Ungleichheitsforschung‘, Universität für Musik und darstellende Kunst (mdw), Wien, 13.-15. März 2019. 

  • Eickelmann, Jennifer: „Von der Überwachung zur Assistenz. Erlebnisorientierte Sinnes-Regime und Effekte für museales Aufsichts- und Servicepersonal", Vortrag im Rahmen des Workshops 'Sehen - hören - Riechen - Schmecken - Spüren. Sensorische Aspekte der Erkundung von Wissensbeständen', TU Dortmund, 7.-8. Dezember 2018.

  • Eickelman, Jennifer: "Politiken des Sicht- und Sagbaren im Museum, oder: Dürfen Museumsaufsichten Kunst vermitteln?", Vortrag im Rahmen der Tagung 'Künste und Mächte - Politiken in den Künsten und durch die Künste', AK 'Soziologie der Künste' der Sektion Kultursoziologie der DGS, 22-23. November 2018.

  • Eickelmann, Jennifer: „(Un-)Professionelle Vermittlungsarbeit im Museum", Vortrag im Rahmen der Sektionsveranstaltung 'Zeitgenössische Bedrohungen professioneller Expertise – und ihre Verteidigung' der Sektion „Professionssoziologie“ auf dem 39. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Göttingen, September 2018.

  • Burzan, Nicole: „Reflexivität als Gütekriterium empirischer Forschung am Beispiel ethnographischer Erkundungen von Museumspersonal“, Vortrag bei der Frühjahrstagung der DGS-Sektion „Methoden der qualitativen Sozialforschung“ in München, März 2018.

  • Burzan, Nicole: „Zugehörigkeiten anzeigende Objekte von Museumspersonal an der Schnittstelle zwischen Organisation und Publikum“; Vortrag im Rahmen des Sektionskongress Wissenssoziologie an der TU Dortmund, September 2017.

  • Eickelmann, Jennifer: „Schauen Sie sich doch mal die Vasen aus China an!“ Das Aufsichtspersonal im Museum als ‚kritische Zone‘ zwischen Experten- und Alltagswissen. Vortrag im Rahmen des Sektionskongresses Wissenssoziologie, Arbeitskreis Expertenwissen, Teilthema ‚Absichtsvolle Verfremdung. Zum Verhältnis von Alltags- und Expertenwissen‘, September 2017.

  • Burzan, Nicole: „Möglichkeiten und Grenzen des ‚Herumschnüffelns‘ in einer Organisation mit Publikumsverkehr. Hemdsärmelige und reflexive Praxis einer Untersuchung zum Servicepersonal in Museen“; Vortrag bei den 6. Fuldaer Feldarbeitstagen, Juni 2017.


Workshops / Transfer

  • „Möglichkeitsräume für das Aufsichts- und Servicepersonal im Museum: Zum Verhältnis von Interaktion – Vermittlung – Anerkennung“, DASA Dortmund, 5. Juli 2018.

  • „Aufseher – Vermittler – Animateure Zur Rolle der Interaktion zwischen Servicepersonal und Besucherschaft“ im Rahmen des Szenografie-Kolloquium in der DASA, Dortmund, 25. Januar 2017.




Nebeninhalt

Aktivitäten / Neuigkeiten / Einblicke


Jennifer Eickelmann spricht am École du Louvre in Paris über die Scharnierfunktion von Museumsaufsichten

"Léthnologie du visiteur au prisme de la médiation", 13. Juni 2019

Ecole du Louvre etude et recherche_perspectives dans l'approche des publics__12juin19



Zu Gast am King's College London, 14. Mai 2019

King's College2

Interpretations-Workshop am King's College London: Am 14. Mai hatte Jennifer Eickelmann die Gelegenheit, Videomaterial vorzustellen und mit Dirk vom Lehn, Christian Heath, Jon Hindmarsh, Paul Luff, Andrew Lebonte und Erik Vinkhuyzen aus Kalifornien zu diskutieren. Eine produktive Erfahrung in einem tollen Umfeld!


Feldforschung in London, Mai 2019

British Museum

Eintritt frei! Das Museumspersonal u.a. im Kontext von Kulturtourismus




Beitrag zur Tagung "40 Jahre 'Die feinen Unterschiede'. Zur Aktualität von Pierre Bourdieus Gesellschaftstheorie in der kultursoziologischen Ungleichheitsforschung", 13.-15. März 2019

Bourdieu Tagung Nicole Jennifer

Nach ein paar spannenden Tagen an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien stürzen wir uns nun mit vielen neuen Eindrücken und Anregungen wieder in die Arbeit!


Videoanalyse-Workshop an der Universität Bayreuth

Bayreuth


Am 17. Mai 2018 haben wir einen produktiven Tag im Videolabor der Universität Bayreuth mit Prof. Dr. Bernt Schnettler verbracht. Durch intensive Videoanalysen sind wir dem komplexen Spannungsfeld von Sicherheits- und Serviceorientierung im Musuem weiter auf den Grund gegangen und konnten durch gezielte Interaktionsanalysen unseren Blick weiter schärfen.
[Weitere Infos zum Videolabor]