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Kongress Wissensrelationen - Kongressthema

Wissensrelationen

Kongress an der TU Dortmund in Kooperation mit der Sektion Wissenssoziologie der DGS, 21. bis 23. September 2017

 

Der 2. Sektionskongress der Sektion Wissenssoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) findet an der TU Dortmund statt und ist mit dem Thema „Wissensrelationen“ befasst. Die Veranstaltung knüpft an die Ziele des 2015 in Landau durchgeführten 1. Sektionskongresses an – eröffnet wird ein Raum für wissenssoziologische Debatten und Perspektiven. Während der 1. Sektionskongress unter dem Titel „Wissensforschung – Forschungswissen“ die Entwicklung wissenssoziologischer Zugänge in ihrer gegenwärtigen, in der Sektion repräsentierten Breite und sektionsgeschichtlichen Genese abgebildet hat, setzt der 2. Sektionskongress einen stärkeren inhaltlichen Akzent: Er greift mit dem Thema „Wissensrelationen“ die soziologisch zentrale Kategorie des Wissens von ihren Rändern her auf und stellt die Frage der Beziehungen von Wissen zu jeweils anderen Formen der Weltwahrnehmung und Weltgegebenheit sowie nicht zuletzt der Grenzen von Wissen selbst in den Mittelpunkt.

 

Die Fokussierung auf Wissensrelationen bedeutet zum einen, die jeweils ‚andere‘ Seite des Wissens in den Blick zu nehmen. Also jene Phänomenbereiche, die durch Wissen kategorial nicht oder – auch vermeintlich – nur unzureichend erfasst werden, aber wesentlich für die lebensweltliche Orientierung sind – wie etwa Emotionen, Materialitäten oder Alienität. Zum anderen geht es darum, die Verbindungen, Spannungslinien und Friktionen aufzuzeigen, die zwischen Wissen – im allgemeinsten verstanden als objektivierter, kommunikativ und institutionell stabilisierter Sinn – und ‚Nicht-Wissen‘ – im Gegen-Sinn des Nicht-Objektivierten, Nicht-Kommunizierten und Nicht-Institutionalisierten bestehen. Die Aufmerksamkeit richtet sich so auf differente, von der Kategorie des Wissens unterscheidbare oder diese zumindest herausfordernde Elemente der Konstitution von Weltverhältnissen und der Konstruktion von Wirklichkeit, deren jeweilige Spezifika zu klären sind. Zugleich bleibt der Bezug auf Wissen mit der Frage nach Wissensrelationen zentral. Sie ist auf der Ebene sozialtheoretischer und methodologischer Überlegungen, anhand empirisch konkreter Ergebnisse und auch in ihrer gesellschaftstheoretischen Relevanz und Reichweite zu diskutieren.

 

Exemplarisch wird dieses Rahmenthema anhand von drei ausgewählten Frage- und Problemkomplexen behandelt:

1) Wissen und Emotionalität: In diesem ersten Themenfeld geht es um die Frage nach dem Verhältnis differenter, oft als gegensätzlich betrachteter Formen der Weltwahrnehmung, die zwischen Kognition und sinnlich-affektivem Erleben, rationalisierungsfähiger Beobachtung und gefühlsmäßiger Erfassung changieren. Neben der Kritik an einem (unterstellten oder tatsächlichen?) ‚kognitiven Bias‘ der Wissenssoziologie stellt sich hier z.B. die Frage, wie eine komplexe, Emotionen, Affekte und die Bedeutung von Leiblichkeit einschließende Phänomenologie der Wahrnehmung aussehen kann. Klärungsbedürftig sind hybride Kategorien des Gefühlswissens und ‚Gefühlsmanagements‘ sowie der Normierung, Ideologisierung und Ästhetisierung von Gefühlen und Affekten. Des Weiteren bricht die Frage nach der Beschaffenheit und Wirkungsweise des ‚Unaussprechlichen‘ und verborgener Räume der Erfahrung auf.

2) Wissen und Materialität: Das zweite Themenfeld stellt ab auf Gegenständlichkeiten, die dem nicht-stofflichen, mental präsenten, symbolisch gebundenen und diskursiv strukturierten Wissen gegenüberstehen – dieses aber zugleich mitkonstituieren. Denn wenn Denken und Erkennen, Interpretation und Erfahrung aus wissenssoziologischer Sicht auch weit mehr und grundsätzlich anderes als bloße Abbildungen der Dinge sind, sind doch dem freien Spiel der Weltwahrnehmung wie auch dem auf die Sinnesorgane angewiesenen Wirklichkeitszugang gegenständliche, objektbezogene und mediale Grenzen gesetzt. Wo und wie lässt sich dennoch – so die Frage des Themenfeldes – das Verhältnis von Wissen und Materialität jenseits simpler Realismen, übersteigerter Konstruktivismen und postsozialer Auflösungen theoretisch, methodologisch und empirisch-analytisch fassen?

3) Wissen und Alienität: Das drittes Themenfeld radikalisiert die Frage danach, was und worüber überhaupt etwas gewusst werden kann, worin die Grenzen des Wissens als Ausdruck einer unüberbrückbaren Unzugänglichkeit des jeweils Anderen liegen und wie, von welchen Anhaltspunkten ausgehend, sich diese konstituieren. Dies schließt auch die Frage ein, ob und inwieweit es wissenssoziologisch Sinn macht, von einer gleichsam gesteigerten, ‚absoluten‘ Alienität zu sprechen, die sich dem Wissen per definitionem entzieht. Thematisch wird hier u.a. das Spannungsfeld zwischen Vertrautheit und Fremdheit in seinen Kontinuitäten und Diskontinuitäten, aber auch die Triftigkeit von Ähnlichkeitsunterstellungen, Wahrnehmungskategorien und Wirklichkeitskonstruktionen, die an den Grenzen des Wissens und des Wissen-Könnens zu scheitern drohen.

 

Auch der 2. Sektionskongress will möglichst vielen Sektionsmitgliedern, Interessenten und Interessentinnen Gelegenheit geben, sich an aktuellen wissenssoziologischen Diskussionen zu beteiligen. Erneut stehen die Zusammenführung und der Austausch der Arbeitskreise im Vordergrund. Ziel des Kongresses ist, die wissenssoziologische Auseinandersetzung in ihrer Vielschichtigkeit profiliert sichtbar zu machen.

Wir laden Sie herzlich zum Kongress ein und freuen uns über Ihr Erscheinen!

Für die Kongressorganisation:

Angelika Poferl

angelika.poferl@tu-dortmund.de 

 

Für den Vorstand der Sektion:

Michaela Pfadenhauer

michaela.pfadenhauer@univie.ac.at