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Systematische Erziehungswissenschaft und Methodologie der Bildungsforschung

Willkommen auf der Homepage des Lehr- und Forschungsbereiches „Systematische Erziehungswissenschaft und Methodologie der Bildungsforschung“!

Hier finden Sie Informationen über Forschungen, Veröffentlichungen, Lehrveranstaltungen und Prüfungen des Lehr- und Forschungsbereiches. Inhaltlich folgt der Lehr- und Forschungsbereich dem Ansatz der pädagogischen Anthropologie, der die Möglichkeiten und Bedingungen humaner Bildung untersucht. Das Interesse richtet sich auf systematische und historische Analysen der anthropologischen Grundlagen von Erziehung, Bildung und Sozialisation. Dabei spielen Ethnographie, Kulturanalyse und Kulturvergleich eine zentrale Rolle, denn sie eröffnen die Möglichkeit, die potenzielle Vielfalt pädagogischer Vorstellungen und Praktiken zu erfassen und die eigenen pädagogischen Traditionen zu relativieren. Der Lehr- und Forschungsbereich setzt sich vor diesem Hintergrund das Ziel, erziehungswissenschaftliche Begriffe wie „Bildung“, „Erziehung“ und „Sozialisation“ für die heutige Zeit zu konturieren. Zudem werden Methoden der pädagogisch-anthropologischen Forschung reflektiert. Konkret werden folgende Forschungsfelder bearbeitet:

Freiheit und Geborgenheit aus pädagogisch-anthropologischer Sicht: Eine empirische Studie zum japanischen 甘え („amae“)

Im Mittelpunkt dieses seit Oktober 2018 laufenden Forschungsprojektes steht das japanische Wort „amae“, das seit der Studie The Anatomy of Dependence von Takeo Doi (dt. Freiheit in Geborgenheit) aus den 1970er Jahren insbesondere im Bereich der Psychologie und Sozialpsychologie viel diskutiert wird. Das Wort gilt, ähnlich wie das deutsche Wort „Bildung“, als schwer übersetzbar in andere Sprachen. Annäherungsweise lässt es sich als „Geborgenheit“ oder „Abhängigkeit“ verstehen. Nach Doi kann „amae“ als ein Schlüssel zum Verständnis japanischer Kultur beschrieben werden. Für die Erziehungswissenschaft ist „amae“ unter anderem deshalb so interessant, weil es qualitative Aspekte sowohl der Mutter-Kind-Beziehung als auch genereller Strukturen von Sozialbeziehungen in Japan umfasst. Das Forschungsprojekt entwickelt unter Verwendung qualitativer Methoden der Sozialforschung eine neue Perspektive auf „amae“.

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Transkulturalität und Bildung

Der Begriff der Transkulturalität verweist auf die Veränderbarkeit und die gegenseitige Durchdringung von Kulturen. Er richtet den Blick auf kulturelle Figurationen, die im Zuge von Migration, Globalisierung und Internationalisierung neu entstehen. In den Forschungen zum Thema Bildung und Transkulturalität wird nach den Möglichkeiten und Herausforderungen für Bildung, Erziehung und Sozialisation unter den Bedingungen transkultureller Gesellschaften gefragt. Untersucht werden dabei Fragen nach dem Zusammenhang von Sprache und Bildung oder nach der transkulturellen Veränderung von Interaktionsformen. Auch Fragen nach der Tradierung von Wissensbeständen zwischen Generationen und nach der Entstehung von Transritualität sind von besonderem Interesse. Müssen wir Begriffe wie „Bildung“ oder „Erziehung“ vor dem Hintergrund transkultureller Entwicklungen neu denken? Aus methodologischer Perspektive stellt sich die Frage nach einer transkulturellen Hermeneutik.

Pädagogische Anthropologie der Rituale

Erziehung, Bildung und Sozialisation finden immer in rituellen Settings statt. Rituale und Ritualisierungen bilden dabei nicht nur einen Rahmen, um andere, vom Ritual unabhängige Lerngegenstände zu erlernen, sie sind immer auch selbst Lerngegenstand (wenn auch oft unbewusst). Rituale sind ambivalent: Einerseits unterwerfen sie das Individuum einem Kollektiv und üben insofern Zwang aus; andererseits bringen Rituale aber auch Gemeinschaft hervor und stiften so Zugehörigkeit. Der Lehr- und Forschungsbereich „Systematische Erziehungswissenschaft und Methodologie der Bildungsforschung“ untersucht diese Zusammenhänge, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf den Zusammenhang von Ritual und Musik gelegt wird.

Glück aus pädagogisch-anthropologischer Perspektive

Oft wird gesagt, dass alle Menschen glücklich sein wollen. Was aber ist „Glück“? Ist „Glück“ in allen Kulturen dasselbe, oder gibt es spezifische kulturelle Vorstellungen von „Glück“? Kann die Pädagogik zum Glück der Menschen beitragen? In der pädagogisch-anthropologischen Forschung werden zu diesen Fragen sowohl philosophisch-theoretische als auch empirische Untersuchungen durchgeführt. Der Lehr- und Forschungsbereich „Systematische Erziehungswissenschaft und Methodologie der Bildungsforschung“ nimmt dabei eine kulturvergleichende Perspektive ein.

Wilhelm von Humboldt als Ethnograph der Bildung

Wilhelm von Humboldt gilt als einer der bedeutendsten Klassiker der Bildungstheorie. Bislang wird allerdings kaum gesehen, dass er nicht nur zur Theorie der Bildung gearbeitet, sondern auch selbst empirische Forschungen zur Bildung durchgeführt hat. In Frankreich, Spanien und vor allem im Baskenland hat Humboldt ethnographische Studien betrieben und dabei die Bildung dieser Nationen und Völker untersucht. Seine ethnographischen Erkenntnisse gehen dann im Rahmen der preußischen Reformen sogar in seine bildungs- und kulturpolitischen Konzepte ein. In diesem Projekt werden Humboldts Methode der ethnographischen Forschung und seine ethnographischen Forschungen selbst rekonstruiert. Dabei entsteht auch ein neuer Blick auf seinen bis heute richtungsweisenden humanistischen Bildungsbegriff.

Erziehungskunst im 18. Jahrhundert

Das 18. Jahrhundert ist in Europa geprägt von Umbrüchen: eine veränderte Gottesvorstellung, die Entdeckung der Vernunft und die damit neu gewonnene Selbstverantwortung des Menschen sind Bausteine in der Wende von der Vormodernen zur Moderne. Die damit einhergehenden Veränderungen prägen die Vorstellungen von Erziehung und – im weiteren Sinne – Bildung. Parallel entsteht das Bewusstsein für die Notwendigkeit, Erziehungsziele, - handeln, -methoden usw. systematisch zu reflektieren. Die so entstehende Erziehungskunst legt den Grundstein der Erziehungswissenschaft. Schwerpunkt des Lehr- und Forschungsbereichs ist das Aufspüren, Systematisieren und Analysieren der Originalquellen.



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Kontakt

Univ.-Prof. Dr. Ruprecht Mattig
Professor für Systematische Erziehungswissenschaft und Methodologie der Bildungsforschung
Julia Lampka
Institutsverwaltung
Tel.: 0231 755-2199