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Museumsforschung

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Die Dramaturgie des 'erlebnisorientierten' Museums
Eine Mixed-Methods-Studie zum Wandel von Distinktionsformen im Wechselspiel von Kulturangebot und Kulturaneignung


Kurzinformationen

Titel:

Die Dramaturgie des 'erlebnisorientierten' Museums.
Eine Mixed-Methods-Studie zum Wandel von Distinktionsformen im Wechselspiel von Kulturangebot und Kulturaneignung.

Laufzeit:

April 2014 bis März 2017

Förderung:

DFG

Projektteam:

Technische Universität Dortmund:
     Prof. Dr. Nicole Burzan
     M.A. Jennifer Eickelmann

Universität zu Köln:
     Prof. Dr. Diana Lengersdorf (mehr...)
     Julia Heidler


Vorhaben

Im Projekt gehen wir der Frage nach, inwiefern Museen verschiedener Genres heutzutage als ‚eventisiert‘ bzw. erlebnisorientiert zu bezeichnen sind und welche Folgen dies u.a. für Distinktionsgelegenheiten und -verhalten hat. Zentral ist es, die Wechselwirkungen zwischen Perspektiven der Museumsverantwortlichen sowie den entsprechenden Ausstellungsinszenierungen (‚Kulturangebot‘) auf der einen Seite und dem Besucherverhalten auf der anderen Seite (‚Kulturaneignung‘) herauszuarbeiten.

Theoretisch setzen wir bei ungleichheits- und kultursoziologischen, aber auch differenzierungstheoretischen Konzepten an.

Methoden

In einem methodenpluralen Design verknüpfen wir verschiedene Zugänge: Wir besuchen ein möglichst breites Spektrum von Museumsgenres (u.a. Kunst-, kulturgeschichtliche, naturgeschichtliche und Technikmuseen, auch Grenzfälle wie Science Center) und fertigen ausführliche Beobachtungsprotokolle (inkl. Fotos) an zu den Ausstellungsinszenierungen, zum Verhalten von Personal und Publikum etc.

In einigen ausgewählten Museen sprechen wir in Form von Leitfadeninterviews mit Museumsverantwortlichen, um ihre Sicht auf Museen/ihr Museum, Konzeptvorstellungen und Haltungen gegenüber dem Publikum zu eruieren.

In drei Museen (je einem kulturgeschichtliches, einem Technik- und einem Kunstmuseum) führen wir zusätzlich zu wiederholten Beobachtungen und Interviews zusätzlich standardisierte Beobachtungen und Befragungen des Publikums durch.

Mehr dazu (auch zur Verknüpfung der Methoden) finden Sie in den drei u.g. Publikationen von Nicole Burzan aus dem Jahr 2016.

Befunde

  • Erlebnisorientierung: Im Kontext eines in der Literatur und Interviews diagnostizierbaren Wandels von Museen im Zuge allgemeinerer Individualisierungsprozesse verstehen wir unter Eventisierung im Projektkontext ein auf Emotionalisierung und Unterhaltung des Publikums ausgerichtetes ‚Erlebnisversprechen‘. Anzeichen hiervon können z.B. eine ausgeprägte Kontextualisierung von Exponaten oder der Ausstellung sowie verschiedene Arten von Aktivitätsoptionen (z.B. Mitmachstationen oder Veranstaltungen) sein. Auf diese Weise werden unterschiedliche Eventisierungsprofile von Museen und Haltungen zur Erlebnisorientierung erkennbar.
  • Spannungsfelder: Mit diesem Trend zur Erlebnisorientierung gehen verschiedene Spannungsfelder einher. Museumsverantwortliche orientieren sich bei der Adressierung ihres Publikums und der Gestaltung von Ausstellungen auf der einen Seite an einer Souveränitätsrhetorik im Sinne eines ‚Selbermachens‘ und ‚Selbstentscheidens‘, während sie auf der anderen Seite ihr Publikum raum-zeitlich lenken – was sich auch durch Beobachtungen des Publikums zeigen lässt. Weiterhin stehen Museumsverantwortliche oftmals in einem Dilemma zwischen dem ‚Markenkern‘ ihres Hauses und ökonomischen, pädagogischen sowie förderpolitischen Anforderungen. Die Entwicklung eines ‚Hybridangebots‘ ist dabei eine, aber nicht ‚die‘ Antwort schlechthin auf entsprechende Interessenkonflikte.
  • Distinktion: Eine These dazu lautet, dass Museumsverantwortliche oft eher ambivalente Öffnungssignale setzen und dadurch – meist eher beiläufig als explizit – Schließungseffekte erzeugen. Das Distinktionsverhalten des Publikums ist unseren eingehenden methodischen Reflexionen zufolge empirisch weniger gut nachweisbar, als man es z.B. Bourdieu gemäß annehmen könnte. Eine Erweiterung der Perspektive ergibt sich hier durch die Gegenüberstellung von Distinktion und Inszenierung (nach Goffman).

Publikationen

  • Burzan, Nicole (2018): Menschen im Museum. Theoretische Perspektiven auf empirische Erkundungen". In: Sociologia Internationalis 55 (1), 1-26.

  • Eickelmann, Jennifer (2018): Von Konzepten und ihren Kategoriensystemen. Erörterungen zur Erlebnisorientierung in Museum, Kirche und Kaufhaus als Figuration. In: Burzan, Nicole/Hitzler, Ronald (Hg.): Typologische Konstruktionen. Prinzipien und Forschungspraxis. Wiesbaden: Springer VS. [link]

  • Burzan, Nicole (2017) (i.E.): Eventisierung als Erscheinungsform hybrider Ereignisse? Konzeptionelle Überlegungen am empirischen Beispiel von Museen. In: Betz, Gregor J.; Hitzler, Ronald; Niederbacher, Arne (Hg.): Hybridisierung inszenierter Ereignisse. Zur Diskussion zeitgeistiger Veranstaltungen, Wiesbaden: Springer VS. 219-231.

  • Burzan, Nicole (2017): Zum Wandel von Raum- und Zeitstrukturierungen am Beispiel von Museen. In: Zeitschrift für Theoretische Soziologie (ZTS), Sonderband 4: „Raum und Zeit. Soziologische Beobachtungen zur gesellschaftlichen Raumzeit“, hgg. von Anna Henkel, Henning Laux, Fabian Anicker, S. 171-187.

  • Burzan, Nicole (2016): Methodenplural erforschte Erlebnisorientierung im Museum. In: Dies.: Methodenplurale Forschung. Chancen und Probleme von Mixed Methods, Weinheim/Basel: Beltz Juventa, 89-102.

  • Burzan, Nicole (2016): Methodenverknüpfungen zur Erforschung von Menschen im Museum. In: Hitzler, Ronald/Kreher, Simone/Poferl, Angelika/Schröer, Norbert (Hg.): Old School – New School? Zur Frage der Optimierung ethnographischer Datengenerierung. Essen: Oldib, 151-162.

  • Burzan, Nicole (2016): Methodenplural erhobene Daten. Am Beispiel der Erforschung von Erlebnisorientierung in Museen. In: Burzan, Nicole/Ronald Hitzler/Heiko Kirschner (Hg.): Materiale Analysen. Methodenfragen in Projekten, Wiesbaden: Springer VS, 95-110.

  • Eickelmann, Jennifer (2016): Wenn Kunst zum Ereignis wird. Eine Kritik der ästhetischen Praxis erlebnisorientierter Museen. In: Kauppert, Michael; Eberl, Heidrun (Hg.): Ästhetische Praxis. Reihe: Kunst und Gesellschaft. Wiesbaden: Springer VS, 355-376.

  • Lengersdorf, Diana (2016): Das Ding mit dem Museum. In: Berli, Oliver/Reuter, Julia: Dinge befremden. Essays zu materieller Kultur, Wiesbaden: VS, 55-61.

  • Burzan, Nicole; Eickelmann, Jennifer; Lengersdorf, Diana (2014): Dramaturgie des Museums - Wechselseitigkeit von Kulturangebot und -aneignungen im Zeitalter von Erlebnisorientierung. In: Löw, Martina (Hg.): Vielfalt und Zusammenhalt. Verhandlungen des 36.Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Bochum und Dortmund 2012. Campus Verlag 2014, Frankfurt a.M. CD-Rom-Beitrag.

 

Vorträge

  • Eickelmann, Jennifer: „Von Konzepten und ihren Kategoriensystemen. Erörterungen zur Erlebnisorientierung in Museum, Kirche und Kaufhaus als Figuration. Vortrag im Rahmen des Workshops ‚Typologische Konstruktionen und kategoriale Klassifikationen', TU Dortmund, 16./17. Dezember 2016.

  • Eickelmann, Jennifer: „Zwischen 'sinnlicher Unmittelbarkeit und unsinnlicher Abstraktion' - Erlebnisorientierung in (Kunst)Museum, Kirche und Kaufhaus. Vortrag im Rahmen der Ad-hoc Gruppe 'Offene Räume geschlossener Sinnsysteme. Inszenierungslogiken und -Effekte in Kirche, Kaufhaus, Kunstmuseum', organisiert von Nicole Burzan, 38. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS), Bamberg, September 2016.

  • Burzan, Nicole: „Ist Nicht-Teilnahme per se (Selbst-)Ausschluss? Ein Plädoyer für differenzierte Sichtweisen auf Dynamiken und Akteure am Beispiel von Museumsbesuchen“. Beitrag zum Plenum 6: „Akteure, Strukturen und Dynamiken des (Selbst-) Ausschlusses“ (mit Diana Lengersdorf) im Rahmen des DGS-Soziologiekongresses, Bamberg, September 2016.

  • Burzan, Nicole: „Blitz und Donner – Actionspektakel und ihr Erlebnischarakter im Museum“. Vortrag im Rahmen der Tagung „Action! Artefakt, Ereignis, Erlebnis“ der dgv-Kommission „Kulturen populärer Unterhaltung und Vergnügung“, Universität Zürich, Juni 2016.

  • Burzan, Nicole: „Eventisierung und Hybridisierung – begriffliche und konzeptuelle Überlegungen“. Vortrag im Rahmen der Tagung „Hybridisierung inszenierter Ereignisse“ der DGS-Sektion Wissenssoziologie, TU Dortmund, April 2016.

  • Burzan, Nicole; Jennifer Eickelmann: "Vertikale Distinktion oder horizontal angelegte Inszenierung im Museum?". Vortrag im Rahmen der Tagung ‚Sozialstruktur und Kultur‘ der DGS-Sektion ‚Soziale Ungleichheit und Sozialstrukturanalyse‘, Mainz,  26. Februar 2016.

  • Burzan, Nicole; Jennifer Eickelmann: „Eventisierungsprozesse und ihre Folgen – eine (ungleichheits-)soziologische Perspektive auf Museen und ihr Publikum“. Vortrag im Rahmen des Soziologischen Kolloquiums der Fernuniversität Hagen, 24. November 2015.

  • Burzan, Nicole; Jennifer Eickelmann: „Mehrperspektivische Museumsforschung. Gewinne und Herausforderungen verknüpfter Methodik". Vortrag im Rahmen der Internationalen Tagung "Museen verstehen: Methoden", Tübingen, 29./30. Oktober 2015.

  • Burzan, Nicole: „Ein Vorschlag zur Anwendung theoretischer Perspektiven auf Menschen im Museum“. Vortrag im Rahmen der Tagung der DGS-Sektion Kultursoziologie und des Netzwerks Empirische Kultursoziologie: „Zum Verhältnis von Empirie und kultursoziologischer Theoriebildung – Stand und Perspektiven“, Leipzig, 30. September - 02. Oktober 2015.

  • Burzan, Nicole: „Methodenverknüpfungen zur Erforschung von Menschen im Museum“. Vortrag im Rahmen der 5. Fuldaer Feldarbeitstage: „Old School – New School? Zur Frage der Optimierung ethnografischer Datengenerierung“, Fulda, 26./27. Juni 2015.

  • Burzan, Nicole: „Menschen im Museum: Theoretische Perspektiven auf empirische Erkundungen". Vortrag an der Universität Wien, 26. März 2015.

  • Lengersdorf, Diana: „Im Rahmen bleiben. Über das kreative und routinisierte Ziehen von Grenzen". Vortrag im Rahmen der Vortragsreihe „Kunstvolle Praxis“ der Forschungsstelle für interkulturelle Studien, Universität zu Köln, 28. Januar 2015.

  • Burzan, Nicole: „Eventisierungseffekte. Zum Wandel von Raum- und Zeitstrukturierungen am Beispiel von Museen“. Vortrag im Rahmen des Symposiums „Raum und Zeit. Sozialtheoretische und gesellschaftstheoretische Perspektiven“, Delmenhorst, 23./24. Januar 2015.

  • Burzan, Nicole: „Im Museum. Konzept, Methoden und erste Ergebnisse einer soziologischen Untersuchung“. Vortrag im kulturwissenschaftlichen Kolloquium an der Universität Leipzig, 16. Dezember 2014.

  • Lengersdorf, Diana: „Reproduktion sozialer Ungleichheiten in der außerschulischen kulturellen Bildung". Vortrag im Rahmen der Fachtagung Kompetenzfeld Social Inequalities and Intercultural Education (SINTER), Universität zu Köln, 5./6. Dezember 2014.

  • Burzan, Nicole; Jennifer Eickelmann: „Das Kunstsystem und sein Publikum. Von neuen Mitgestaltungsmöglichkeiten und verschleierten Ungleichheiten". Vortrag im Rahmen des 37. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie, Trier, 6.-10. Oktober 2014.

  • Eickelmann, Jennifer: „Event-Ausstellungen als ästhetische Praxis: Zur Herstellung von kreativer Subjektivität". Vortrag im Rahmen der Tagung 'Ästhetische Praxis: Selbstentgrenzung der Künste oder Entkunstung der Kunst', AK Soziologie der Künste, Sektion Kultursoziologie, Universität Hildesheim, 26./27. Juni 2014.

Poster

  • Heidler, Julia:  „Geschlechtskonstruktionen im Museum. Museumseingänge als Räume der Erzeugung von Differenz". Posterausstellung im Rahmen der Evaluationsbegehung von GeStiK (Gender Studies in Köln), Universität zu Köln, 11. Dezember 2014.